Donnerstag, 11. Mai 2017

Cheyenne, Ich und unsere On-Off-Beziehung

Vor einigen Tagen - oder sind es schon Wochen?! - habe ich auf Instagram einen Teaser meiner Cheyenne Tunic gezeigt. Ich hatte mir nicht gerade den einfachsten Stoff für meine Bluse ausgesucht. Rechte und linke Stoffseite sind optisch nicht zu unterscheiden.
https://www.instagram.com/ju.made/
Ich dachte Cheyenne und ich werden keine Freunde! Da ich aber so leicht nicht loszuwerden bin, würde ich sagen wir haben uns aneinander gewöhnt.

Cheyenne kann in vielen verschiedenen Varianten genäht werden. Ich habe Stehkragen, lange Ärmel mit Riegel und Blusenlänge gewählt. 

Das E-Book in der deutschen Übersetzung ist wirklich gut erklärt. Auf die unterschiedlichen Nahtzugaben war ich dank anderer Näherinnen vorbereitet. Der Tipp hier sehr genau zu arbeiten zahlt sich definitiv aus!!! Oder anders gesagt, wer nicht 100% exakt arbeitet, der hat es beim nächsten Schritt schwerer. Und ja, wie ich natürlich auch vorher wusste, gibts im Gegensatz zu Jersey keine Toleranz bei Webware. Und es macht durchaus Sinn, sich die Stoffseiten zu markieren. Sonst läuft man Gefahr, dass man Patte und Riegel komplett abtrennen muss, weil man erst beim Annähen der Manschette bemerkt, dass da was nicht stimmt.
Öhm ja, ordentliches Bügeln wäre hilfreich! :-)
Ja genau, das war der Punkt als ich daran dachte alles hinzuschmeißen.
Genau genommen schon zum dritten Mal. Der erste Tiefpunkt war die Knopfleiste. Der Teil an dem die halbe Knopfleiste überlappt und mit einem Dreieck festgenäht wird, war sehr kniffelig. Ich habe ihn auch nach wiederholtem Bügeln nicht exakt hinbekommen. Außen hui, innen pfui trifft es hier ziemlich gut.
Die Innenansicht hat mich auch zu Tiefpunkt Nummer 2 gebracht. Der Stehkragen... Einfach mal die letzte Naht absteppen ist nicht. Mein Ego hatte den Anspruch, dass die Bluse auch von innen schön wird. Hat ja nicht umsonst französische Nähte... Auch hier hat mein Freund der Nahttrenner gute Dienste geleistet und mein Ego befriedigt.
Liest sich ziemlich gefrustet, gell? Ich muss auch sagen, dass ich wohl eher keine weitere Cheyenne Tunic nähen werde. Meine schwarze Version ist ein echtes Basicteil, was im Hinblick auf meine Capsule Wardrobe Gold wert ist und eine in die Jahre gekommene dunkelblaue Kaufbluse, die ein echtes Lieblingsteil ist, ersetzen soll. Der Stoff trägt sich wunderbar und das fertige Ergebnis hält meinem kritischen Auge jetzt auch stand.
Allerdings bin ich von der Passform nicht so super überzeugt. Die Schultern dürften für meinen Geschmack 1-2 cm breiter sein. An den Ärmeln und am Bauch dürfte die Bluse dagegen auch schmaler sein. Evtl hätte es hier eine Größe kleiner auch getan. Nach meinen Maßen lag ich bei Größe M (8-10), diese Größe habe ich dann auch genäht.
Die französischen Nähte machen das enger nähen natürlich komplizierter. Ehrlicherweise habe ich dazu keine Lust mehr. Ich trage die Bluse auch so gerne und habe für meine Begriffe genug Mühe hineingesteckt. Also ist meine Kritik schon Jammern auf hohem Niveau... Vorbeugen hätte ich dem Wohl nur durch ein Probeteil können. Das ist aber nun mal auch nicht meins... ;-) Das Problem mit den schmalen Schultern scheinen Einige zu haben. Bei Dominique gibt es eine Anleitung zur Anpassung der Schulterbreite.

Die Entstehung der Bluse hat sich ganz schön lange gezogen. Eigentlich war der Plan sie zur Shoperöffnung zu bloggen... Tja ich würde sagen das Ziel habe ich knapp verfehlt! :-D Der Viskosestoff ist in meinem Shop Stoffquelle erhältlich. Damit ihr euch nicht mit den Stoffseiten ärgern müsst, hier ein paar Tipps von mir.

  • Webware aus Viskose trägt sich super angenehm. Der Stoff hat einen wunderbar fließenden Fall und eignet sich daher sehr gut für Blusen / Kleider oder auch Röcke. Der fließende Fall macht das Nähen etwas schwieriger als bei Baumwollwebware, belohnt aber eben mit einem lässigeren Tragegefühl. Meiner Meinung nach kann man sich auch als Anfänger an Viskosewebware trauen. Hier würde ich aber auf einen einfacherern Blusen- oder Blusenshirt- Schnitt zurückgreifen, z.b. Mein Mittsommer von Lotte&Ludwig.
  • Zum Nähen empfehle ich eine 70er Universalnadel. An alle Nadelwechselmuffel - wie mich - eine Nadel muss tatsächlich manchmal gewechselt werden und sticht dann leichter durch den Stoff! ;-) Damit nichts verrutscht sind feine Stecknadeln hilfreich. Alternativ geht es natürlich auch mit Stoffklammern. Allerdings hat mich das Gewicht der Klammern beim Nähen eher gehindert, da der Stoff eben sehr leicht ist und die Klammern dann entgegen die Nährichtung ziehen. Jede Naht sollte besser einzeln gesteckt werden, also nicht z.b. gleich beide Ärmel stecken. Mir sind sonst nämlich manche Nadeln auch flöten gegangen wenn sie irgendwo stecken und bewegt werden.
  • Direkt beim Zuschnitt sollten die Stoffseiten markiert werden. Da eine Stecknadeln vielleicht nicht bis zum Ende durchhält, empfehle ich dafür Masking Tape. Normalerweise geht das rückstandslos wieder ab, für alle Fälle markiere ich die linke Stoffseite.
Wer sich von meinem Text nicht hat abschrecken lassen, kann den Viskosestoff in 5 tollen Farben in meinem Shop bekommen. Meine fertige Bluse macht mich definitiv stolz und man wächst ja mit jeder Herausforderung. Das ist ja auch das Tolle am Nähen, dass man seine Kenntnisse steigern kann!

Hier kommen übrigens noch die harten Fakten! ;-) Die plotte ich innen in das Rückenteil: Name des Schnittmusters, gewählte Größe, Monat und Jahr der Entstehung. So kann ich das auch später noch zuordnen... 

Das Rad auf den Fotos gehört übrigens meinem Mann. Ich habe das baugleiche Damenrad von Gazelle. Das ist aber zwecks Standard-Kindersitz weniger fotogen, daher hab ich mal eben das Rad meines Mannes gemopst, der musste ja eh Fotos machen... ;-) Ich liebe mein Hollandrad...

Machts euch gemütlich!

Eure Julia

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Schnitt: Cheyenne Tunic in deutscher Übersetzung über Naehconnection
Verlinkt bei: RUMS

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